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Donnerstag, 31. März 2016

La Paz und Ausflug nach Tiahuanaco

La Paz (eigentlich Nuestra Señora de La Paz) ist eine Stadt der Extreme: höchste Hauptstadt (eigentlich nur Regierungssitz, Hauptstadt ist eigentlich Sucre) der Welt, höchster internationaler Flughafen der Welt und meines Wissens die einzige Stadt die Seilbahnen (von Doppelmayr aus Österreich) als öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Ist auch naheliegend wenn man bedenkt, dass die Stadt zwischen 3.000 m und 4.100 m Seehöhe liegt. U-Bahnen würden sich ein bissl schwer tun.

Da wir nur einen Tag geplant hatten weil wir gehört hatten dass es hier nicht so viel zu sehen gibt, und aufgrund meines fast gebrochenen Zeh haben wir uns für eine Rundfahrt im Touristenbus entschieden. Die erste Hälfte ging es in den tiefer gelegenen Süden (ca. 3.000 m) neben den noblen Wohngegenden in der Zona Sur gibts es hier das sehr beeindruckende Valle de la Luna (Mondtal). Gleich neben dem höchsten Golfplatz der Welt gelegen, bietet diese aus vulkanischen Gestein gebildete Landschaft eine beeindruckende Atmosphäre.



Valle de la Luna (Mondlandschaft) im Süden von La Paz



Zona Sur, die reichere Gegend von La Paz



Kopf einziehen - die Kabel streifen regelmäßig am Bus



Stromverkabelung auf bolivianisch



Stadtzentrum von La Paz - im Hintergrund El Alto auf der Hochebene mit dem Flughafen



Danach gings weiter in den höheren Norden durch das Stadtzentrum mit Regierungsgebäuden und dem berühmten Hexenmarkt. Hier kann man alle notwendigen Zutaten für das traditionelle Andenritual kaufen. Dabei werden unterschiedliche Gaben wie Lamaföten (ungeborene Lamababies), Cocablätter, diverse Planzen in traditionelle Andentücher eingewickelt und verbrannt. Dadurch wird Gesundheit, Erfolg, reiche Ernte und Unterstützung von den Ahnen und pachamama (Mutter Erde) erbeten. Angeblich kommen die Leute aus ganz Bolivien hierher um für das Ritual einzukaufen.



plaza prinzipal mit Regierungssitz



Hexenmarkt von La Paz (vom Lamafötus bis zum Brennholz alles da)



Kathedrale San Francisco 



Typisches Verkehrsmittel in Bolivien



Nach der Stadtrundfahrt wurde uns der Heimweg ins Hostel erschwert weil alle Straßen rund um unser Hostel gesperrt waren anlässlich der Karfreitagsprozession. Wir haben schon einiges davon gehört, dass die semana santa (Karwoche) hier sehr groß gefeiert wird. Jetzt hatten wir Gelegenheit uns selbst davon zu überzeugen.



Karfreitagsprozession in La Paz



jede Kirchengemeinde hat eigene Farben und eigene Figuren der Kreuzwegstationen


Weil mein Zeh noch nicht so sehr motiviert war haben wir den Abend gemütlich im Hostel verbracht.
Den nächsten Tag haben wir nach einem gemütlichen Frühstück damit verbracht sämtliche der drei (weiter 6 sind geplant) Seilbahnlinien in der Stadt rauf und runter zu fahren. Alle drei Linien wurden 2014 eröffnet und sind seit damals aus dem öffentlichen Verkehr nicht mehr weg zu denken. So komfortabel, schnell, leise, umweltschonend und billig ist man noch nie zuvor die 1.000 m Seehöhe quer durch die Stadt gekommen. Für 3 Bolivianos (umgerechnet 40 cent) pro Fahrt ist man dabei. Die Busse brauchen fast eine Stunde und kosten 5 Bolivianos.



Blick von El Alto auf La Paz



Im Hintergrund rechts der Illimani, mit 6.439 m der zweithöchste Berg Boliviens



Mit der Gondel gehts wieder hinunter über die Blechdächer der Armenviertel ...



... quer durch die Stadt ...



... in die reichere Zona Sur im Süden



Mit der Tatsache, dass Bolivien im Salpeterkrieg im Jahr 1879  seinen Zugang zum Meer an Chile
verloren hat, wollen sich viele noch immer nicht abfinden.
(Es wird gemunkelt, dass die gemeinen Chilenen während des Carnevals angegriffen haben,
und sich die Bolivianer deswegen natürlich nicht wehren konnten)



Wir haben auch Ostereier gefunden ...


Am nächsten Morgen sind wir mit der teleferico rojo (roten Seilbahn) zum Friedhof gefahren, weil von dort die Minibusse nach Tiahuanaco wegfahren. Das war einer unser wenigen Fixpunkte für Bolivien. Tiahuanaco ist die bedeutendste Ruinenstätte der Vorinkakultur in Bolivien. Die ältesten Ausgrabungen stammen aus dem 15. Jahrhundert vor Christus. Zu einem wichtigen Zentrum wurde Tiwanaku (wie es im Aymara heißt) aber erst 300 vor Christus. Den Höhepunkt erreichte es 600 nach Christus bis die Kultur von den Inka ca. im Jahr 1200 vertrieben wurde.



Tiwanaku - eine riesige Ruinenanlage - teilweise vor 1500 Jahren vor Christus erbaut



In der Mitte war eine riesige Pyramide



el fraile (der Mönch) mit unzähligen feinen Gravuren und Verziehrungen



Sonnentor



Der Beweis: PVC Rohre gibt's schon länger als die Inkas!



Weil wir nicht warten wollten bis unser Touristenbus wieder zurück nach La Paz fuhr sind wir in den Ort gegangen und haben uns einen günstigeren Einheimischenbus besorgt. Nachteil davon war, dass uns dieser nicht nach La Paz wie angekündigt gebracht hat, sondern ins nördlich der Stadt auf der Hochebene liegende El Alto, so etwas wie das Armenviertel von La Paz. La Paz selbst hat eigentlich nur 700.000 Einwohner. Wenn man aber das Umland, genauer gesagt El Alto dazuzählt sind es über 2 Millionen. Wir mussten uns dann erst einmal einen Bus suchen der uns wieder nach La Paz "hinunter" brachte.

Am Abend sind wir dann mit unserem gesamten Gepäck wieder zum Friedhof. Diesmal wegen dem Minibus nach Copacabana. Wie bei allen Minibussen in Bolivien hieß es wieder warten bis der gesamte Bus voll ist, in diesem Fall 12 Leute, vorher wird nicht gefahren. Die Reise sollte eigentlich nur 3 Stunden dauern, allerdings hatten wir vergessen, dass es Ostersonntag war, und auch hier die Menschen die Feiertage am Land verbringen und dann wieder nach Hause in die Stadt fahren. Kombiniert mit dem ohnehin schon chaotischen bolivianischen Verkehr war die Katastrophe eigentlich vorprogrammiert. Unser Glück war nur, dass wir aus La Paz hinaus wollten und nicht hinein. Trotzdem: 2 Fahrspuren in jede Richtung, auf der Gegenspur Richtung La Paz Stau in 4 Spuren nebeneinander. Unsere beiden Fahrspuren waren trotz Betonwand auch schon vom Gegenverkehr besetzt, sodass wir (auch im Stau) im Straßengraben standen. Doch der Bolivianer findet für alles eine Lösung, so wurden kurzerhand in den sumpfigen Felder links und recht der Straße  4 oder 5 neue Fahrspuren erfunden, wo natürlich in kürzester Zeit die ersten Busse und LKW stecken geblieben sind. Die zahlreich vorhandene Polizei konnte auch nicht mehr tun als dem Spektakel zuzuschauen.






Noch fahren wir: El Alto



Extremer Rückreiseverkehr nach La Paz bedeutet kompletter Stillstand



Wer nicht warten will sucht sich eine eigene Straße ...



... dort steht aber auch bald alles


Irgendwann um halb 10 in der Nacht haben wir uns dann gemeinsam mit einem anderen Minibus auf einem Holzfloß wiedergefunden und die 2 km auf die Halbinsel auf der Copacabana liegt übergesetzt.   


 Fähre zum übersetzen auf die Halbinsel (die großen Reisebusse nutzen auch diese Nussschalen)


Überraschenderweise trocken haben wir dann am anderen Ufer die restlichen 40 min nach Copacabana erfolgreich hinter uns gebracht, wo wir nach über 5 Stunden Fahrt endlich unser bis jetzt bestes Hostel erreicht haben. Als kleiner Vorgeschmack hier schon mal ein Foto.




Unser Ausblick in Copacabana während wir diese Zeilen schreiben ...




Donnerstag, 24. März 2016

Abschied von Cochabamba

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von Cochabamba. Einerseits  blicken wir auf die schönen Momente mit liebgewonnen Menschen und die beeindruckenden Orte zurück, andererseits freuen wir uns auf unsere Weiterreise Richtung Norden. Gleich heute Abend geht es für uns mit dem Nachtbus weiter nach La Paz. Die restlichen Tage unseres Visums in Bolivien möchten wir in La Paz, Tiwanaku und am Titicacasee verbringen. Danach sind wir schon sehr gespannt auf Peru.

Was wir von den 3 Monaten vermissen werden:

  • sehr gute Freunde mit denen wir viel Lustiges, Unglaubliches und Wunderschönes erlebt haben
  • die Kinder aus dem Projekt, die wir inzwischen sehr lieb gewonnen haben
  • freundliche Bolivianer, die einem freundlich den Weg erklären, interessiert sind woher man kommt, Kellnerinnen die sich für die Verwechslung bei der Bestellung entschuldigen und uns beim nächsten Mal im Restaurant erkennen und als Entschuldigung für das letzte Mal einen Schokoladebrownie bringen
  • die wunderschöne, beeindruckende Landschaft von Bolivien
  • unsere Obst- und Gemüseverkäuferin auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die uns mit Geduld die spanischen Ausdrücke für unser gekauftes Obst und Gemüse beigebracht hat
  • Hop-on-hop-off Truffi fahren
  • auf einem der größten Straßenmärkte Südamerikas, dem La Cancha, einkaufen
Was werden wir nicht vermissen:
  • zu kleine und zu enge Truffis und Fahrer, die so wild fahren, dass man glaub nie anzukommen
  • unhöfliche Bolivianer, die sich überall vordrängeln
  • warten, warten, warten,...
  • Staub

Hier noch ein paar Eindrücke von Cochabamba, unserer Arbeit,  und Freunden

Ausblick auf den Norden  der Stadt



Parkanlagen im Norden der Stadt. Im Süden, im armen Teil der Stadt, ist kaum Grün sichtbar.



Computerunterricht im Centro Juvenil



Unser Wachhund, der uns täglich freudig begrüßt hat.



Der beste Kaffee der Stadt in unserem Lieblingscafe: Mulin Bianco 



La Cancha - hier bekommt man neben Kleidung,  ...



... Schuhen, ...



... Torten, ...



.... Obst und Gemüse alles was man sich vorstellen kann. Es gibt "Abteilungen" mit Fleisch, Souvenirs, Uhren, technische Geräte (Fernseher, Waschmaschinen, etc.), Autozubehör, Schreibwaren und vieles mehr.


Letzte Woche haben wir zum Abschied noch den Parque de la Familia besucht. Eine der wenigen Sehenwürdigkeiten in Cochabamba neben dem Cristo de la Condorida. Ein riesiger Park mit Springbrunnen unterschiedlichster Art. Es gibt Bögen zum durchlaufen, ein Labyrinth aus dem man nur nass wieder heraus kommt und jeden Tag um 20:00 Uhr gibts eine recht aufwendig produzierte Show: tanzende Wasserfontänen mit (österreichischer Walzer-) Musik, Licht und die Geschichte von Bolivien in Form von auf eine Wasserwand projizierte  Videosequenzen.










Wir sind auch sehr dankbar für die vielen guten neuen Freunde aus unterschiedlichsten Ländern die wir hier gefunden haben:


v.l.n.r Österreich, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich, Schweden, USA, Bolivien, Schweiz








Muchas gracias Cochabamba!

Ha sido un honor!

Adios!

Mittwoch, 23. März 2016

Wanderung auf den Pico Tunari

Unser letztes Wochenende in Cochabamba haben wir für einen Tagesausflug auf den höchsten Berg vom Departamento Cochabamba genützt. Praktischer Weise hat uns unser Führer aus Toro Toro damals schon angeboten diese Tour mit uns zu machen. Also wurden wir um 07:30 Uhr bolivianischer Zeit (sprich 08:00 Uhr) von unserem Führer und seinem Bruder vor unserem Haus abgeholt. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen von unserem Projekt, Emelie aus Schweden und Esther aus der Schweiz, sowie den beiden Gebrüdern Macedonio und Umberto ging es 2 Stunden mit dem Jeep Richtung Norden.

Cochabamba liegt bekanntermaßen im sogenannten Cochabambatal auf 2.500 m und ist im Norden und Westen von einer steil ansteigenden Bergkette begrenzt. Diese Region der Cordilleras Oriente (östliche Anden) bildet den Parque National Tunari. Der höchste Gipfel des Nationalparks ist der Pico Tunari mit 5.020 m.


Das Cochabamba Tal mit den östlichen Anden im Nordwesten von Cochabamba



Auf dem Weg dorthin begegneten wir saftige grüne Hochland-Wiesen mit hunderten grasenden Lamas und Schafen, sowie beeindruckende Landschaftsformen die ich in den Alpen so noch nicht gesehen haben.


saftige Hochlandwiesen auf über 3.000 m Seehöhe



Unzählige Lamas leben hier oben



Die Straße wird immer abenteuerlicher


Das Auto haben wir unterhalb einer Lagune auf zirka 3.700 m Seehöhe geparkt, von wo es dann zu Fuß weiter ging.



Rechts im Bild die Staumauer der ersten Lagune



Es geht los



Die erste Lagune



Der erste Teil war eine gemütliche Wanderung über saftige grüne Wiesen, zwischen sumpfigen Tümpeln und quer durch grasende Lamas und Schafe die sich von uns nicht wirklich stören lassen wollten. Auf ca. 4.000 m Seehöhe haben wir dann eine zweite Lagune erreicht wo wir eine kleine Pause eingelegt haben.



Der Gipfel des Pico Tunari noch im Nebel versteckt



Querfeldein zwischen Schafen und Lamas ...



... die uns sehr freundlich begrüßen



Blick auf die erste Lagune



Dann ging es weiter über steile Felsplatten und noch steilere Schotterfelder  relativ querfeldein Richtung Gipfel. Für ungeübte Flachländler, angesichts der Höhe hier, gilt das für alle Europäer, ist das Wandern in dieser Höhe schon ziemlich anstrengend. Diese durchschnittlich 2.000 m Seehöhe Unterschied zu europäischen Wanderungen merkt man schon sehr deutlich. Es ist schwer zu beschreiben, aber speziell wenn es dann auf die 5.000 m Seehöhe zu geht braucht man nach 5 Schritten eine Pause zum 10mal Luft holen.


Kurz vor dem Gipfel


Nach 4 Stunden und knapp über 1.300 m Seehöhe haben wir dann den Gipfel erreicht. Leider hat es kurz vorher ziemlich zugezogen und wir mussten den ersten Teil unseres Mittagessens im Nebel verbringen. Doch nach zirka einer halben Stunde hat sich die Sicht ein wenig gebessert und wir konnten den grandiosen Ausblick in das Tal nördlich des Gipfels genießen.

Gipfelsieg auf 5.020m Seehöhe



Kein Berg ohne vernünftiger Jause - auch in Südamerika



Blick auf das Tal nördlich vom Gipfel mit den beiden Lagunen



Der Nebel zieht entlang der steilen Gipfel


Nach einer knappen Stunde war des aufgrund des Nebels und des Windes  auf dem Gipfel schon relativ frisch, auch ein paar Schneeflocken haben sich gezeigt. Darum haben wir uns dann mit allen mitgebrachten Kleiderschichten, Hauben und Socken an den Händen wieder an den Abstieg gemacht. Ein kleines Stück unterhalb des Gipfels ist dann die Wolkendecke ein wenig aufgerissen und wir hatten einen hervorragenden Blick auf Cochabamba.



Blick auf Cochabamba



Rückweg bei Sonnenschein



Wieder die erste Lagune, wir haben es fast geschafft



Ein Llama verabschiedet uns aus dem wunderschönen parque national pico tunari mit  einem beeindruckenden Blick auf Cochabamba