La Paz (eigentlich Nuestra Señora de La Paz) ist eine Stadt der Extreme: höchste Hauptstadt (eigentlich nur Regierungssitz, Hauptstadt ist eigentlich Sucre) der Welt, höchster internationaler Flughafen der Welt und meines Wissens die einzige Stadt die Seilbahnen (von Doppelmayr aus Österreich) als öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Ist auch naheliegend wenn man bedenkt, dass die Stadt zwischen 3.000 m und 4.100 m Seehöhe liegt. U-Bahnen würden sich ein bissl schwer tun.
Da wir nur einen Tag geplant hatten weil wir gehört hatten dass es hier nicht so viel zu sehen gibt, und aufgrund meines fast gebrochenen Zeh haben wir uns für eine Rundfahrt im Touristenbus entschieden. Die erste Hälfte ging es in den tiefer gelegenen Süden (ca. 3.000 m) neben den noblen Wohngegenden in der Zona Sur gibts es hier das sehr beeindruckende Valle de la Luna (Mondtal). Gleich neben dem höchsten Golfplatz der Welt gelegen, bietet diese aus vulkanischen Gestein gebildete Landschaft eine beeindruckende Atmosphäre.
Valle de la Luna (Mondlandschaft) im Süden von La Paz
Zona Sur, die reichere Gegend von La Paz
Kopf einziehen - die Kabel streifen regelmäßig am Bus
Stromverkabelung auf bolivianisch
Stadtzentrum von La Paz - im Hintergrund El Alto auf der Hochebene mit dem Flughafen
Danach gings weiter in den höheren Norden durch das Stadtzentrum mit Regierungsgebäuden und dem berühmten Hexenmarkt. Hier kann man alle notwendigen Zutaten für das traditionelle Andenritual kaufen. Dabei werden unterschiedliche Gaben wie Lamaföten (ungeborene Lamababies), Cocablätter, diverse Planzen in traditionelle Andentücher eingewickelt und verbrannt. Dadurch wird Gesundheit, Erfolg, reiche Ernte und Unterstützung von den Ahnen und pachamama (Mutter Erde) erbeten. Angeblich kommen die Leute aus ganz Bolivien hierher um für das Ritual einzukaufen.
plaza prinzipal mit Regierungssitz
Hexenmarkt von La Paz (vom Lamafötus bis zum Brennholz alles da)
Kathedrale San Francisco
Typisches Verkehrsmittel in Bolivien
Nach der Stadtrundfahrt wurde uns der Heimweg ins Hostel erschwert weil alle Straßen rund um unser Hostel gesperrt waren anlässlich der Karfreitagsprozession. Wir haben schon einiges davon gehört, dass die semana santa (Karwoche) hier sehr groß gefeiert wird. Jetzt hatten wir Gelegenheit uns selbst davon zu überzeugen.
Karfreitagsprozession in La Paz
jede Kirchengemeinde hat eigene Farben und eigene Figuren der Kreuzwegstationen
Weil mein Zeh noch nicht so sehr motiviert war haben wir den Abend gemütlich im Hostel verbracht.
Den nächsten Tag haben wir nach einem gemütlichen Frühstück damit verbracht sämtliche der drei (weiter 6 sind geplant) Seilbahnlinien in der Stadt rauf und runter zu fahren. Alle drei Linien wurden 2014 eröffnet und sind seit damals aus dem öffentlichen Verkehr nicht mehr weg zu denken. So komfortabel, schnell, leise, umweltschonend und billig ist man noch nie zuvor die 1.000 m Seehöhe quer durch die Stadt gekommen. Für 3 Bolivianos (umgerechnet 40 cent) pro Fahrt ist man dabei. Die Busse brauchen fast eine Stunde und kosten 5 Bolivianos.
Blick von El Alto auf La Paz
Im Hintergrund rechts der Illimani, mit 6.439 m der zweithöchste Berg Boliviens
Mit der Gondel gehts wieder hinunter über die Blechdächer der Armenviertel ...
... quer durch die Stadt ...
... in die reichere Zona Sur im Süden
Mit der Tatsache, dass Bolivien im Salpeterkrieg im Jahr 1879 seinen Zugang zum Meer an Chile
verloren hat, wollen sich viele noch immer nicht abfinden.
(Es wird gemunkelt, dass die gemeinen Chilenen während des Carnevals angegriffen haben,
und sich die Bolivianer deswegen natürlich nicht wehren konnten)
Wir haben auch Ostereier gefunden ...
Am nächsten Morgen sind wir mit der teleferico rojo (roten Seilbahn) zum Friedhof gefahren, weil von dort die Minibusse nach Tiahuanaco wegfahren. Das war einer unser wenigen Fixpunkte für Bolivien. Tiahuanaco ist die bedeutendste Ruinenstätte der Vorinkakultur in Bolivien. Die ältesten Ausgrabungen stammen aus dem 15. Jahrhundert vor Christus. Zu einem wichtigen Zentrum wurde Tiwanaku (wie es im Aymara heißt) aber erst 300 vor Christus. Den Höhepunkt erreichte es 600 nach Christus bis die Kultur von den Inka ca. im Jahr 1200 vertrieben wurde.
Tiwanaku - eine riesige Ruinenanlage - teilweise vor 1500 Jahren vor Christus erbaut
In der Mitte war eine riesige Pyramide
el fraile (der Mönch) mit unzähligen feinen Gravuren und Verziehrungen
Sonnentor
Der Beweis: PVC Rohre gibt's schon länger als die Inkas!
Weil wir nicht warten wollten bis unser Touristenbus wieder zurück nach La Paz fuhr sind wir in den Ort gegangen und haben uns einen günstigeren Einheimischenbus besorgt. Nachteil davon war, dass uns dieser nicht nach La Paz wie angekündigt gebracht hat, sondern ins nördlich der Stadt auf der Hochebene liegende El Alto, so etwas wie das Armenviertel von La Paz. La Paz selbst hat eigentlich nur 700.000 Einwohner. Wenn man aber das Umland, genauer gesagt El Alto dazuzählt sind es über 2 Millionen. Wir mussten uns dann erst einmal einen Bus suchen der uns wieder nach La Paz "hinunter" brachte.
Am Abend sind wir dann mit unserem gesamten Gepäck wieder zum Friedhof. Diesmal wegen dem Minibus nach Copacabana. Wie bei allen Minibussen in Bolivien hieß es wieder warten bis der gesamte Bus voll ist, in diesem Fall 12 Leute, vorher wird nicht gefahren. Die Reise sollte eigentlich nur 3 Stunden dauern, allerdings hatten wir vergessen, dass es Ostersonntag war, und auch hier die Menschen die Feiertage am Land verbringen und dann wieder nach Hause in die Stadt fahren. Kombiniert mit dem ohnehin schon chaotischen bolivianischen Verkehr war die Katastrophe eigentlich vorprogrammiert. Unser Glück war nur, dass wir aus La Paz hinaus wollten und nicht hinein. Trotzdem: 2 Fahrspuren in jede Richtung, auf der Gegenspur Richtung La Paz Stau in 4 Spuren nebeneinander. Unsere beiden Fahrspuren waren trotz Betonwand auch schon vom Gegenverkehr besetzt, sodass wir (auch im Stau) im Straßengraben standen. Doch der Bolivianer findet für alles eine Lösung, so wurden kurzerhand in den sumpfigen Felder links und recht der Straße 4 oder 5 neue Fahrspuren erfunden, wo natürlich in kürzester Zeit die ersten Busse und LKW stecken geblieben sind. Die zahlreich vorhandene Polizei konnte auch nicht mehr tun als dem Spektakel zuzuschauen.
Noch fahren wir: El Alto
Extremer Rückreiseverkehr nach La Paz bedeutet kompletter Stillstand
Wer nicht warten will sucht sich eine eigene Straße ...
... dort steht aber auch bald alles
Irgendwann um halb 10 in der Nacht haben wir uns dann gemeinsam mit einem anderen Minibus auf einem Holzfloß wiedergefunden und die 2 km auf die Halbinsel auf der Copacabana liegt übergesetzt.
Fähre zum übersetzen auf die Halbinsel (die großen Reisebusse nutzen auch diese Nussschalen)
Überraschenderweise trocken haben wir dann am anderen Ufer die restlichen 40 min nach Copacabana erfolgreich hinter uns gebracht, wo wir nach über 5 Stunden Fahrt endlich unser bis jetzt bestes Hostel erreicht haben. Als kleiner Vorgeschmack hier schon mal ein Foto.
Unser Ausblick in Copacabana während wir diese Zeilen schreiben ...



























