Nein, wir beginnen diesmal unseren Blog nicht mit "unser Spanisch wird immer besser und wir haben uns schon langsam eingelebt". Jetzt sind wir schon über ein Monat hier in Bolivien und haben schon eine gewisse Routine in vielen Dingen entwickelt.
Die Schulferien sind nun vorbei und so hat sich auch das Programm für die Kinder verändert. Jetzt bieten wir hier im Projekt für die Kinder die vormittags in die Schule gehen nachmittags ein Programm an und umgekehrt die Kinder die nachmittags in der Schule sind können vormittags zum Projekt kommen. Das Programm besteht aus Sportstunden, Computerunterricht, Nachhilfe, Basteln, etc. Das einzige Problem bisher ist nur, das wir die Kinder dafür noch nicht mobilisieren konnten und bisher nur zwei Mädels, dafür mit voller Begeisterung an Christians Computerunterricht, genauer gesagt am neuen Maschinenschreibenkurs teilnahmen. Das heißt, wir verbringen derzeit viel Zeit mit Warten. (Unsere Geduld wird, wenn wir zurück kommen grenzenlos sein ;-).) Angeblich sollte es sobald der Carneval vorbei ist, besser werden.
Carneval ist hier ein weiteres großes Thema. Bei uns in Österreich ist der Fasching mit Faschingsdienstag vorbei, hier nicht. Das heißt, man ist jederzeit noch der Gefahr ausgesetzt von Wasserbomben, Spritzpistolen und Eimer mit Wasser getroffen und übergossen zu werden. Der Faschingsdienstagnachmittag ist der Höhepunkt davon. Die Straßen sind voll von Leuten, die vorbei fahrende Autos (am liebsten solche mit offenen Fenster), Busse, Leute, Mopedfahrer etc. mit Wasser in allen Variationen beglücken. Umgekehrt sind auch viele Autos, Pickups und LKWs mit Leuten auf Ladeflächen unterwegs, die ihrerseits Wasserbomben und kübelweise Wasser werfen.
Letztes Wochenende wollten wir zum schönsten und größten Carneval in ganz Bolivien nach Oruro (denn der in Cochabamba ist erst nächstes Wochenende) fahren, nur haben uns die streikenden Busfahrer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Den Freitag Abend haben wir drei Stunden erfolglos wartend auf den Bus nach Oruro am Busbahnhof verbracht.
Hier ein Versuch die Stimmung am Busterminal einzufangen:
Auch am Samstag hatten wir unsere Rucksäcke schon bereit und warteten auf Neuigkeiten von anderen Volunteers vor Ort, aber der Streik dauerte noch bis in die Nacht. Deshalb haben wir beschlossen, eine Carnevalparty bei uns in der Wohnung zu machen.
Unsere eigene Carneval Party auf unserem Balkon
Insgesamt dauerte der Streik eine Woche, scheinbar der Längste bisher. Im Verlauf der Wochen hatten uns alle Bolivianer bestätigt, dass so ein Streik normalerweise nach einem Tag vorbei ist und auf keinen Fall den Carneval in Oruro betreffen wird...
Villa Tunari
Nachdem der Streik am Sonntag in der Früh vorbei war, sind wir mit ein paar Arbeitskolleginnen nach Villa Tunari gefahren. Obwohl unsere Sitze komplett nass waren (ich will nicht wissen womit) war die Fahrt relativ angenehm. In vier Stunden von 2.500 m Seehöhe über kühle Berggipfel ins tropisch heiße Amazonasgebiet auf 310 m Seehöhe. Nachdem ich (Christian) leider zu faul war den Rucksack von Oruro (3.700 m Seehöhe) auf Villa Tunari (230 m Seehöhe) umzupacken war ich leider etwas unpassend ausgerüstet.
Im Bus nach Villa Tunari
Partycrew am Weg nach Villa Tunari
Gleich nach Ankunft und Bezug des Hostels sind wir gemeinsam zu einer Rafting Tour aufgebrochen. Im Vergleich zu Österreich braucht man hier keine Neoprenanzüge. Das Wasser war zwar nicht sonderlich sauber aber dafür relativ warm. Die Landschaft war aber umso schöner: rundherum tropischer Regenwald.
Rafting Tour am Río Espíritu Santo
Nach grober Säuberung vom Gatschwasser im hosteleigenen Pool, und endgültiger Säuberung in der Dusche (in Bolivien gelten andere Hygienestandards für Badeeinrichtungen als in Europa), haben wir uns gestärkt.
Obwohl Bolivien und im speziellen Cochabamba von sich selbst behauptet der Mittelpunkt der kulinarischen Hochkultur zu sein, haben wir bis jetzt fast überall nur pollo fritto (Hendl, gebacken, gebraten oder gegrillt) mit Reis und oder Pommes gesehen. In der gleichen Kombination gibts dann auch noch res (Rindfleisch) oder speziell in Villa Tunari pescado (Fisch). Aber dazu möchte ich ein anderes Mal genauer berichten, schließlich haben wir noch nicht alles probiert.
Nach dem Essen haben wir die Dorfdisco unsicher gemacht und ganz überrascht die einheimische Jugend beim "Linedance" beobachtet. Entgegen unseren Erwartungen wird hier sehr konservativ mit einem halben Meter Abstand zum Gegenüber und nebeneinander in Reih und Glied getanzt.
Am nächsten Tag sind wir und dann voller Erwartung in den Parque Jungla gefahren. Der uns als schönster, tollster Abenteuerpark angepriesene Park war dann aber leider nicht mehr als eine Ansammlung von mehreren (bolivianischen) Flying Fox und unterschiedlichen hohen columpios (bolivianische Tarzanschaukeln). Man klettert auf ein (bis zu 18m hohes) Podest und schwingt dann auf einer Schaukel sitzend durch den Dschungel. Die bolivianischen Versionen zeichnen sich hierbei vor allem dadurch aus, dass alles handgemacht ist und Klettergurte sucht man auch vergebens. Das bedeutet, man sitzt auf einem Holzbrettel welches in der einen Version (Flying Fox) auf zwei Rollen entlang eines Stahlseils fährt und die ersten 10 m von einem jungen Bolivianer gezogen wird oder bei der anderen Version (columpios) auf zwei langen Seilen durch den Dschungel schaukelt.
columpios (bolivianische Tarzanschaukel) aus 18m und 8m Höhe
Die bolivianischen Besucher waren mehr begeistert als wir. Nachdem beim zweiten (angeblich 200m langen) Flying Flox die handgemachte "Bremse" (ein Brettl das von oben aufs Seil drückt, wenn man von unten an der Schlaufe zieht) gebrochen ist und Margret in eine Betonmauer gekracht ist, hat sich unsere Motivation weitere "Attraktionen" auszuprobieren deutlich gelegt. Zum Glück ist nichts schlimmes passiert, nur ein Kratzer am Knie.
Margret am bolivianischen Flying Fox kurz vorm Unfall mit der Betonwand
Danach haben wir uns für uns für die Wasserfalltour entschieden. Nachdem der Anfang recht unspektakulär gewirkt hat, waren die eineinhalb Stunden zu Fuß flussaufwärts (mit Waldviertlern und Badehose) dann doch sehr beeindruckend mit Felswänden und Regenwald links und rechts. Abschluss war eine angenehme Dusche im Wasserfall bevor es wieder eineinhalb Stunden flussabwärts zurück ging.
Nach eineinhalb Stunden Flusswanderung am Ziel beim Wasserfall
Wasserfalldusche
Rückfahrt vom Wasserfall im offenen Kofferraum mit herrlichem Ausblick
Nach einem kleinen Snack haben wir uns dann wieder auf die Heimreise nach Cocha begeben. Außer einem Monsunregen, weggespülten Straßen und einer kurzen Straßensperre wegen Bäumen auf der Straße gabs keine besonderen Vorkommnisse. ;)
Abschließend gibts noch ein kleines special für meine liebe Cousine mit einem Auszug unserer tierischen Bekanntschaften die wir bisher gemacht haben:
Riesenameisen im Parque Jungla
weißer Hund mit schwarzem Ohr im Parque Jungla
Ein Babyhund ...
... zwei Babyhunde ...
... mein Babyhund - wobei der wahre Besitzer (rechts im Bild) ihn schon zurück haben will
und zum Schluss ...
der wohl coolste Babyaffe ...
... ever! :-)















