Soviel sei vorweg verraten, der Durchschnittsbolivianer ist 1,65m groß. Entsprechend sind auch die Verkehrsmittel dimensioniert.
Aber alles der Reihe nach. Letzte Woche Freitag war in Bolivien Feiertag, sprich für uns arbeitsfrei. Das haben wir genutzt um gleich am Donnerstag Abend um 21:00 Uhr in einen flota (Fernreisebus) nach Sucre zu hüpfen.
Prinzipiell wird bei Reisebussen in 3 Kategorien unterteilt: Normal (Viehtransport), Semi-Cama (ein bisschen Bett) und Cama (ganz Bett), so zumindest die Theorie.
Nichtsahnend haben wir uns für Semi-Cama für die 348km in 8h nach Sucre entschieden. Ticket kaufen, zum Ausgang XY gehen, warten, Ticket herzeigen, Einsteigen, Sitzplatz suchen. Busfahren ist in Bolivien sowie in ganz Südamerika sehr populär und wird fast wie am Flughafen abgewickelt. Inklusive Terminal, Sitzplatznummer, Gepäcksabgabe, Ausgangsnummer, Rampennummer, ect.
Soweit hat alles Bestens funktioniert, nur mit den Zuständen bolivianischer Straßen haben wir so nicht gerechnet. Am Besten kann man sich das vorstellen wie wenn ein zweistöckiger Reisebus im Frühjahr nach einem langem Regen auf einem Feldweg im Weinviertel in 2h 1.000 Höhenmeter zurücklegt.
Kurz gesagt ich war um ca einen halben Meter zu groß um wirklich schlafen zu können, und Fahrweise und Straßenzustand haben meinen Gemütszustand nicht unbedingt verbessert. Maggy hat relativ gut geschlafen.
Es waren dann doch 10h nach denen wir in Sucre angekommen sind. Glücklicherweise haben wir gleich einen gemütlichen Hotelinnenhof zum Frühstücken gefunden:
Verdientes Luxusfrühstück nach 10h Busfahrt
Dann gleich ins total gemütliche, ruhige, enstpannende Hostel, (vielen Dank Birgit und Stefan für die super Empfehlung) heiß duschen und Schlaf nachholen.
Falls es wer nicht wissen sollte, Sucre ist konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien und hier ist der oberste Gerichtshof angesiedelt. Die wunderschöne Altstadt mit den etlichen weiß gestrichenen Prachtbauten der Kolonialzeit ist seit 1991 UNESCO Weltkulturerbe.
Ausserdem bildet "die schönste Stadt Boliviens" so etwas wie den Stolz und das geschichtliche Gehirn Boliviens. Die Casa de la Libertad ist das Zentrum dieses Gehirns. Es beherbergt die erste Universität Boliviens (1624 von den Jesuiten gegründet), hier wurde auch die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, und im Museum werden sämtliche historischen Dokumente Boliviens aufbewahrt.
Zeitgleich mit uns war auch Evo (el Presidente) in Sucre. Anlässlich des Feiertags wurde eine Live Fernsehansprache des Präsidenten aus dem Obersten Gerichtshof übertragen, erkennbar am Satelliten-Uplink am Gehsteig vorm Obersten Gerichtshof.
Die Ansprache lief auf allen Fernsehgeräten von Sucre während unseres Stadtbummels. Leider haben wir nicht viel verstanden.
Und noch etwas Neues haben wir kennen gelernt: den Lieblingsvolkssport der Bolivianer im Fasching - Wildfremde (am Liebsten Touristen und junge Mädls) mit Wasserbomben (mit Wasser befüllte Luftballons) abschießen. Bei einem gewöhnlichen Stadtbummel, speziell im Park, hat man eigentlich keine Chance den fliegenden Wasserbomben zu entkommen. Sie werden aus vorbeifahrenden Autos, Bussen sowie von Balkonen und aus Hauseinfahrten geworfen. Inzwischen haben wir uns schon darauf eingestellt. Meistens reicht ein böser Blick um dem vermeidlichen Täter zu zeigen, man hat durchschaut was hier gespielt wird. Dann ist meistens der ganze Reiz daran vergangen. Wutausbrüche (haben wir bei anderen Touristen beobachtet) verursachen oft das Gegenteil. An heißen Tagen ist das übrigens eine nette Abkühlung.
Satelliten-Uplink für die Präsidentenansprache
Dekorative Ampel
Innenhof vom Casa de la Libertad
Kathedrale von Sucre
Parkanlagen
Park vorm Teatro Gran Mariscal
überall zu finden: Orangensaftverkäufer
Village People auf Bolivianisch
Kloster La Recoleta mit traumhaftem ...
... Blick über Sucre
Nach zwei angenehmen Tagen in Sucre sind wir am Sonntag zum berühmten Markt der indigenen Webkunst nach Tarabuco gefahren. Ein sehr nettes kleines Nest ca 2 Busstunden von Sucre entfernt. Hier gibts jeden Sonntag den größten Markt für handgefertige Tücher, Decken, Pullover, Taschen, Hauben, Schuhe, usw. Sehr farbenfroh und beeindruckend.
Mit dem MICRO zurück nach Sucre
Am Sonntag Abend sind wir dann weiter mit dem Bus 3h nach Potosí zu einem nächsten Höhepunkt, dem legendären Silberbergwerk auf über 4.000m Seehöhe. Aber dafür brauchen wir einen eigenen Blogeintrag ;)


















