Das könnte jetzt länger werden ...
Eines möchte ich vorweg nehmen: Diese 4 Tage im Dschungel waren definitiv eines der Highlights unseres Ecuador Besuchs.
Eines möchte ich vorweg nehmen: Diese 4 Tage im Dschungel waren definitiv eines der Highlights unseres Ecuador Besuchs.
Aber alles der Reihe nach. Nach 6 Stunden Nachtbusfahrt von Quito, 2 Stunden schlafen am Holzbankl am Busbahnhof und 2 Stunden Fahrt im Minibus sind wir bei "der Brücke“, dem Eingang zum Cuaybeno Nationalpark angekommen. Wegen „der Brücke“ können die Motorkanus nicht weiter stromaufwärts fahren und deswegen beginnen dort alle Agenturen (17 gibts insgesamt) mit ihren Touren. Nachdem das Gepäck und die Lebensmittel in ein Kanu und alle mit Insektenspray gebadeten Touristen ins andere Kanu verfrachtet worden sind, ging es auch schon los. Zwei Stunden flussabwärts auf dem derzeit sehr viel Wasser führenden Fluss mit dem passenden Namen Aquarico (wasserreich), sowie den Rio Negro (schwarzer Fluss) zu unserer Lodge.
Fünf unterschiedliche Tribes (Naturvölker) leben in diesem Nationalpark. Manche haben kaum Kontakt zur restlichen Bevölkerung von Ecuador und bieten aufgrund ihrer alten Rituale guten Stoff für Geschichten. Wie zum Beispiel die Shuors, die früher die abgetrennte Köpfe ihrer Feinde so lange gekocht haben bis diese auf Handflächengröße zusammengeschrumpft sind. Heute verwenden sie für dieses, ihnen sehr wichtige, Ritual nur mehr Köpfe von Faultieren. Andere haben sich mit der Arbeit mit den Touristen angefreundet und leben recht gut davon. So auch zum Beispiel unser Bootsführer Don Luis vom Stamm der Sionas, in deren Gebiet unsere Lodge liegt. Er hat uns mit seinem Kanu äußerst geschickt bei jedem Wetter, Tag und Nacht sicher durch den Urwald kutschierte.
Aufgrund des vielen Regens war der Fluss sehr hoch und auch der angrenzende Wald war einige Meter hoch überflutet was ein beeindruckendes Bild ergab, weil dadurch die Grenze zwischen Fluss und Wald komplett verschwunden ist. Ausserdem konnten wir deswegen auch einige Shortcuts durch den Wald nehmen, was immer sehr spektakulär war weil diese Abkürzungen oft nicht einmal so breit wie unser Boot waren. Auch war uns dadurch der Dschungel viel näher und wir konnten die ersten Affen, die nicht lange auf sich warten ließen, fast angreifen.
Nach unserer Ankunft in der sehr gemütlichen, neuen Nicky Lodge 2 (wir waren die ersten ausländischen Touristen dort), gab es gleich ein ausgezeichnetes Mittagessen. Laut Maggy waren die 4 Tage im Dschungel die kulinarisch hochwertigsten unserer Reise. Danach ging es gleich wieder ins Boot und wir machten uns mit unserem Guide Diego auf den Weg um Bewohner des Regenwaldes zu finden. Während wir Gringos damit beschäftig waren die grüne Hölle erfolglos abzusuchen, haben Diego und Don Luis die ersten neugierigen Säugetiere unter uns entdeckt. Pinke Süßwasser Flussdelfine sind nur einige Meter neben unserem Kanu aufgetaucht und fühlten sich von uns nicht wirklich gestört. Mit kuscheligen Affen, farbenfrohen und riesigen Vögeln und riesigen Spinnennetzen war der erste Ausflug schon sehr erfolgreich.
Vor dem Abendessen haben wir uns mit Insektenspray, Regenjacke und Gummistiefel für die erste Dschungelnachtwanderung bewaffnet. Leider gabs nur Gummistiefel bis Größe 45 und somit mussten meine Waldviertler herhalten. Meine Bemühungen während der ersten halben Stunde den tiefen Gatsch gekonnt zu umwandern waren spätestens als das Wasser bis zu den Knien stand unnötig. Unsere Bedenken ob es denn hier nicht auch irgendetwas gefährliches unter der Wasseroberfläche zwischen den Mangroven gäbe, wurden von Diego mit einem Augenzwinkern und einem „everything is romantic in Ecuador, not dangerous“ abgewimmelt. Nur einige Meter von der Lodge entfernt, haben wir einiges Interessantes über der Wasseroberfläche entdeckt. Große und kleine, harmlose und gefährliche Insekten, Käfer, Frösche, Spinnen, Schlangen, Heuschrecken, „Walking Sticks“ und vieles mehr das einen in der Nacht gut schlafen lässt. Tatsächlich hatte ich diese 3 Nächte im Dschungel den besten Schlaf unserer bisherigen Reise. Obwohl nur von einem Fliegengitter (zwei Meter hoch, die restlichen 2 m bis zum Dach waren offen) vom nächtlichen Dschungel getrennt, waren das die erholsamsten Nächte für mich.
Am nächsten Tag haben wir eine Wanderung in den Wald rund um die Lodge gmacht. Unser grandioser Guide Diego hat uns dabei jedes Insekt, jedes Blatt, jeden Strauch, jeden Baum und jedes Geräusch einzigartig erklärt. Besser geht es nicht. Danach sind wir mit dem Kanu flussaufwärts zur Laguna grande gefahren. Am Weg dorthin haben wir wieder einige Tierchen entlang des Weges entdeckt. Das Ziel unseres Ausflugs war neben der wundervollen Landschaft bei Sonnenuntergang das Schwimmen in der Laguna grande im Amazonas. Diego hat auf dem Weg dorthin unseren Mut mit grausigen Geschichten getestet. Größtes Risiko beim Baden im Amazonas sind nämlich nicht die Piranhas, die Kaimane oder Anacondas (die hier bis zu 9 m lang werden), die sind nämlich vor allem im Wald wo es mehr Futter gibt (wo wir am Vorabend kniehoch im Wasser gewatet sind). Nein, das größte Risiko sind sogenannte Vandelliinae oder von den Einheimischen auch Candiru genannte Zeitgenossen. Diese werden bei ihrer Nahrungssuche von Harnstoff, der von Fischen, ihrem Hauptnahrungsmittel, bei den Kiemen ausgeschieden wird, geleitet. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass sie sich in der Harnröhre von badenden Säugetieren (Touristen) festsetzen. Dort beißen sie sich mit ihren Wiederhacken fest und sind nur äußerst schwer zu entfernen. Da hilf nur die Entmannung durch die Machete, meint Diego mit einem Zwinkern und meint nur „better don’t pii in the Amazonas“.
Wir haben uns trotzdem fast alle ins Wasser getraut und die einzigartige Stimmung zum Sonnenuntergang genossen. Den Heimweg danach werde ich nie vergessen. Stockfinster, in einem relativ kleinen Kanu, relativ schnell unterwegs, 60 km in alle Richtungen nur Dschungel und es beginnt ein tropischer Monsunregen wie ich ihn noch nie zuvor erlebt habe. Innerhalb von 5 Minuten sind wir kniehoch im Wasser gesessen. Hinten Don Luis denkt nicht daran auch nur ein bisschen langsamer zu fahren, unvorstellbar wie er noch irgendetwas sehen konnte. Vorne am Bug steht Diego in der stockfinsteren Nacht und versucht mit einer Taschenlampe die roten Augen von Kaimanen oder Anacondas zu entdecken. Eine Szene wie aus einem Film. Alle Versuche uns irgendwie mit Regenjacken und Ponchos trocken zu halten scheitern kläglich. Ich habe dann versucht mit einer aufgeschnittenen Ölflasche Wasser aus dem Boot zu schöpfen, aber ich habe keinen Unterschied zwischen Hand im Wasser und Hand im Regen gespürt, entsprechend aussichtslos war mein Bemühen. Als wir eine halbe Stunde später bei der Lodge angekommen sind, war der Regen vorbei und der Dschungel präsentierte sich wie immer geräuschvoll als ob nichts passiert wäre. Einzig an diesem Abend hätten wir uns eine heiße Dusche gewünscht.
Unseren dritten Tag im Dschungel verbrachten wir mit Diego und einer Frau aus der naheliegenden Community mit einer Wanderung durch den Urwald, wobei sie uns einen kleinen Auszug ihres Wissens über die heilende Wirkung von unterschiedlichen Pflanzen im Regenwald gab. Es war sehr beeindrucken zuzusehen wie die beiden Einheimischen allein aufgrund der Geräusche im Wald die entsprechende Tierart, Geschlecht, Anzahl und Richtung, wo sich diese gerade befinden, heraushörten.
Abschließend gings in die Community wo wir gemeinsam mit den Frauen Pan de Yuca (Yukabrot) gebacken haben. Bei einem Spaziergang über die Farm der Familie, quer durch riesige Felder mit Bananenpalmen und Kakaobäume, waren die Yukastauden schnell gefunden. Einfach den ganzen Strauch ausreißen und schon hat man 2 bis 3 mehr als zuckerrübengroße Dinger in der Hand.
Nach dem Schälen und Waschen werden die rein weißen Wurzelknollen zu gatschigem Brei zerrieben. Mit kreativen und einfachen, aber effizienten Methoden wird der Brei ausgequetscht, wobei aus 5 solchen Dingern sicher 2 bis 3 Liter Saft herausgekommen ist. Den Saft kann man als Suppe weiterverarbeiten, dieser ist aber ungekocht halbwegs giftig für unsere Verdauung. Das jetzt trockene Pulver wird fein gemahlen und auf einer heißen Tonplatte auf dem Feuer wie Palatschinken gebacken. Fertig. Hier isst man dazu frisch gemachte Guacamole oder hausgemachte Schokolade. Das Pan de Yuca ist hier das Hauptnahrungsmittel der Menschen und entsprechend hoch ist die Nachfrage. Da man das Brot recht gut lagern kann, backen die Frauen einmal im Monat einen ganzen Tag lang den Vorrat für die nächsten 30 Tage. Ausser für Touristen, so wie heute, wird eine Ausnahme gemacht.
Zurück in der Lodge begrüßte uns neben einer der Hütten eine zirka 2 Meter lange Schlage, leider habe ich den Namen vergessen. Einige Mädls unserer Gruppe fanden das nicht so lustig, weil es technisch gesehen keinerlei Hindernisse gab dass sich das Ding in der Nacht zu uns ins Bett kuschelte. Generell hat unser Guide uns immer darauf hingewiesen, immer und alles zu kontrollieren bevor wir irgendetwas machen. Gummistiefel, Bettdecken, Schuhe, Dusche, Toilette, usw. Wie sich später herausstellte ist es auch nicht so schlau ohne Schuhe auf den Holzstegen zwischen den Hütten herum zu spazieren.
Den letzten Abend haben wir nach einem wiedermal sehr gutem Abendessen mit einer Flasche Wein und unserer Gruppe verbracht. Am selben Tag ist bereits eine neue Gruppe eingetroffen, wie wir aber einstimmig festgestellt hatten, waren die bei weitem nicht so gemütlich und nett wie wir. Auch unser Guide meinte wir waren die beste Gruppe die er je hatte. (Hat er vermutlich nicht zum ersten Mal gesagt)
Am Rückweg zur Brücke am nächsten Tag hat es sich Diego zu seiner Aufgabe gemacht uns eine Anaconda zu finden. Die roten Augen eines Kaimans haben wir angeblich bei der Heimfahrt im nächtlichen Regen gesehen und somit meinte er die Anaconda fehlt noch. Diese blieb uns leider verwehrt, allerdings zeigte sich noch, wie zum Abschied leise Servus sagend, ein Faultier das ganz gemütlich scheinbar mühelos auf den Ästen über unserem Boot dahin schlich (7m pro Minute).
Ein weiterer Punkt der diese Erfahrung so wunderbar für uns gemacht hat und den ich nicht unerwähnt lassen möchte, war die Gruppe mit der wir zusammen waren. Vielen Dank an Esther und Armin, Loredana und Franco aus der Schweiz, Jacinta aus Australien und Paula aus den Staaten. Es war ein Riesenspaß mit euch im Dschungel! Und natürlich nicht zu vergessen, Danke an den besten Guide Diego und den besten Kanufahrer im Amazonas Don Luis.
Muchas gracias!
Muchas gracias!
Der Cuayabeno Nationalpark - da drinnen werden wir die nächsten 4 Tage verbringen
Abfahrbereit
Zwei Stunden gehts flussabwärts
Die ersten Bewohner lassen nicht lange auf sich warten
Ankunft in der neuen Nicky Lodge 2
Auf der Suche nach Dschungelbewohner
Rosa Süßwasserdelphine
Eine flauschige Affenfamilie beobachtet uns skeptisch
Bei der Nachtwanderung begegneten wir einigen Fröschen ...
... Spinnen ...
... und anderen netten Tierchen.
Diese Spinne haben wir gerade beim Nachtmahl gestört
Leider gabs Gummistiefel nur bis Größe 45 ...
... drum mussten die Waldviertler herhalten ...
Auch unter Tags findet man interessante Zeitgenossen ...
... und Pflanzen, ...
... nicht alle davon sollte man angreifen.
Beeindruckende Pflanzenwelt
Wie zum Beispiel der "walking tree", der sich aufgrund seiner immer wieder neu wachsenden Wurzeln im Laufe seines Lebens 6 - 9m durch den Wald bewegt auf der Suche nach dem besten Platz an der Sonne.
Oder die riesigen Bäume deren Wurzeln sich wie Wände durch den Wald bauen, auf der Suche nach Nährstoffen im Boden.
Hinter der Landkarte neben dem Esstisch versteckt sich diese handgroße Kröte.
Wir machen Dschungel-Chilli
Spontaner Besuch in der Lodge zwischen zwei Hütten
Auf der Fahrt zur Laguna Grande entdecken wir überall die sehr aktiven squirrel monkeys (deutsch: Totenkopfaffen).
Und auch die gigantischen Netze der "social spider". Hier arbeiten unzählige kleine Spinnen gemeinsam in einem riesigen Netz.
Wenn die Sonne tief steht erkennt man fast nicht wo der Fluss aufhört und der Wald beginnt.
Sonnenuntergang in der Laguna Grande
Trotz Risiko - einmal Baden im Amazonas (heißt zwar erst später so) muss schon sein.
Diego versicherte uns, dass es jetzt HIER keine Anacondas und Kaimane gibt. Die seien alle wo anders.
Ein bisschen kalt, aber sehr erfrischend
Am Heimweg von der Lagune - noch war alles trocken
Am nächsten Morgen sind wir schon früh losgefahren ...
... um mehr über die heilenden Kräfte der unzähligen Blätter, Baumrinden und Pflanzensäfte zu lernen. Im Bild wieder einer der Riesenbäume, deren Name ich leider vergessen habe.
Auch die Handwerkskunst der Indigenen Bevölkerung konnten wir bewundern. Innerhalb von 10min hat uns diese Frau einen Rucksack aus Palmblättern geflochten. Damit transportieren sie normalerweise Brennholz, Früchte, Fleisch aber auch den Nachwuchs.
Der selbsternannten Schamane Diego "reinigt" Maggy von der bösen Aura.
Wir verfolgen Geräusche, angeblich eine Gruppe Otter
Auf der Suche nach Yuca quer durch die Bananenplantage der indigenen Community
Mit einfachstem Gerät wird die Yuca gerieben
Anschließend wird der gatschige Yucabrei ausgepresst
Das trockene Pulver wird fein gerieben ...
... bevor es im Feuer gebacken wird.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang gibts dann ...
... Yucabrot mit feinster Schokosauce mitten im Dschungel.
Auch an diesem Abend sind wir auf der Suche nach Leben im Dschungel wieder knietief im Wasser gewatet. Meine Frage ob es jetzt HIER Anacondas und Kaimane gäbe hab ich mir verkniffen.
Diese Nacht war die Nacht der Spinnen ...
... wir haben sogar eine handflächengroße Tarantel entdeckt (nicht im Bild), leider ist das Foto nix geworden.
Von den meisten anderen haben wir uns die Namen nicht gemerkt.
Bis auf diese eine Spezielle: Die Banana Spider, ein Biss von dieser würde sogar Diego dazu veranlassen einen Hubschrauber in den Dschungel kommen zu lassen. Wenn sie will springt sie bis zu einem halben Meter. Das ist auch die gefährlichste Spinne die es hier so gibt.
Beim Abendessen hatte ich so eine, ungefähr gleich groß, unter meinem Sessel. Warum ich die mit meine bloßen Füßen nicht erwischt habe war mir auch ein Rätsel ...
Zum Abschluss ein Foto mit der besten Gruppe, dem besten Fahrer und dem besten Guide.
Und immer daran denken: Everything is romantic in Ecuador!


